DATUMSGRENZE 2017

Wie heißt es doch so schön: „Das Beste (und Schönste) kommt zum Schluss."

Ich habe auf meinen drei langen Reisen, verteilt über zwei volle Jahre, entlang der internationalen Datumsgrenze viele, ganz viele Länder und Inseln besucht im südlichen Pazifik.

Ich habe ganz viele tolle Erlebnisse mit Mensch, Tier und Natur gehabt und habe Orte besucht, wo die Auswirkungen des Klimawandels viel mehr als bei und zu sehen und zu spüren sind.

Auf meinen Reisen sind mit viele verschiedene Kulturen begegnet mit den unterschiedlichsten Sprachen. Da gab es Sachen zu essen und Gerüche wahrzunehmen, die uns in Deutschland völlig fremd sind. Ich habe in Luxushotels geschlafen und in einfachen Grashütten ohne Strom und Wasser übernachtet. Oft habe ich spontan gehandelt und die Dinge dem Schicksal überlassen, weil die Uhren eben anders ticken in manchen Ländern, und ich bin auch schon mal sehr blauäugig an die Dinge herangegangen – das entspricht ja schließlich tatsächlich meiner Augenfarbe!

Ich habe viel gelacht und gestaunt, mich viel gewundert, war oft begeistert, aber habe mich auch schon mal gesorgt. Ich sehe manche Dinge jetzt mit anderen Augen, und manche Dinge haben mich auch sehr nachdenklich gestimmt. Ich bin jedes Mal mit ganz viel Lebenserfahrung und Bereicherungen für mein Leben zurück gereist. Ich habe manches Mal über mich selbst und  meine Missgeschicke lachen müssen. Vermisst hab‘ ich nix, nur meinen Hund ,,Louis".

Ich denke, dass ich auf den drei Reisen von Deutschland aus in den südlichen Pazifik so grob über den Daumen gepeilt um die 160.000 km im Flieger zurück gelegt haben muss, mit dutzenden Starts und Landungen und dass ich dabei mehr als 180 Stunden in der Luft verbracht habe. Mit tausenden Bildern und hunderten geschriebenen Seiten in meine Journalen und mit wahren Schätzen an Geschichten im Gepäck bin ich jedes Mal zurück gekommen.  Besonders viel Spaß hat es mir immer gemacht mit den Locals (zu deutsch: der einheimischen Bevölkerung) sich fortzubewegen in kleinen Sammelbussen oder Taxen oder auf röhrenden Mopeds oder zwischen Hühnern, Schweinen, Getreidesäcken, Fässern und schlafenden Menschen auf Holzfähren zwischen den Inseln und Lagunen von Kiribati unterwegs zu sein.

Mit den letztens verbrachten Tagen auf den Insel Tanna und Efate /Vanuatu konnte ich noch einmal ein Highlight des ganzen Projektes Südsee setzen. Hier gab es das bewegende Zusammenleben mit den Menschen in ihren kleinen Villages nahe des aktiven Vulkans ,,Yasur" der mich manche Schrecksekunde kostete, wenn er mit lautem Knall und Donner wieder seine Lava- und Aschewolken ausspuckte. Viermal bin ich bei Tag und Nacht hoch, und bin jedes Mal erstarrt vor Ehrfurcht, wenn ich in den Schlund des Kraters und auf die glühende Lava geschaut habe. Welche Urgewalt solch ein Vulkan hat, zeigt er dir, wenn du nahe an einer Eruption stehst. Vollkommen abgedreht, wie im Rausch einer Droge, klebe ich an meiner Kamera und genieße zeitgleich das Spektakel.

Fiji war Dreh und Angelpunkt der Reisen, von hier aus gingen die meisten Flüge wie z.B. nach Tonga, Samoa, Tuvalu, Vanuatu, Neuseeland, Neukaledonien, in die Heimat zurück und in mein geliebtes Kiribati. Mit dem allergrößten Respekt und Hochachtung für die hier lebenden Menschen schaue ich voller Wehmut und einer Träne im Auge auf diese Reisen zurück.

Doch ein kleines Türchen habe ich mir offen gelassen für eine nochmalige Reise an die Datumsgrenze in der Südsee, denn ich habe es wieder aus Zeitgründen nicht geschafft, auf die Fiji-Insel ,,Taveuni" zu kommen. Denn nur auf diesem Archipel trifft die internationale Datumsgrenze, der 180-Grad Meridian, auf Landmasse. Dort kannst du mit dem einem Bein in der Gegenwart stehen und mit dem anderen Bein in der Zukunft. Dieses ganze Projekt entstand aus einer verrückten Idee: In ein Land zu reisen, nur, weil ich mich in dessen Nationalflagge verliebt hatte, die von ,,Kiribati".

Doch jetzt wartet auf mich die größte Herausforderung – nämlich ,,das Buch"!

Die nächste Station: der nördliche Teil. Die Datumsgrenze in Alaska / Kamtschatka...

 

Hinter jedem Horizont kommt ein neuer!

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